*Hurtigruten* und Nachhaltigkeit

*Hurtigruten* und Nachhaltigkeit

© Lutz Stickeln

Ja, wir fahren – gemeinsam mit unserem Partner Hurtigruten – mit Expeditionsschiffen u.a. in die polaren Regionen

Aber eben nur mit dem Vorreiter unter den Reedereien, was Nachhaltigkeit angeht.
Die norwegische Reederei Hurtigruten greift mit ihrer Unternehmensphilosophie, die auf Innovation, Technologie und konkreten Maßnahmen aufbaut, viele der insgesamt 17 UN-Ziele zum „Sustainable Development“ auf. Sie baut und betreibt u.a. die ersten Expeditionsschiffe mit Hybridantrieb und überdies die umweltfreundlichste und fortschrittlichste Flotte der Welt, hat als erste Reederei der Welt Einwegkunststoff von all ihren Schiffen und ihren Hotels verbannt, kämpft gegen Massentourismus in den kleinen Gemeinden von Grönland bis nach Spitzbergen und die Antarktis (z.B. Beschränkung der Anzahl der an Land zugelassenen Gäste).
Hurtigruten ist Gründungsmitglied von AECO und aktives Mitglied der IAATO, zwei Organisationen, die verantwortungsvollen, umweltfreundlichen und sicheren Tourismus in Arktis und Antarktis fördern und sich für den Erhalt der empfindlichen Ökosystem dort einsetzt (insbesondere auch durch Mitglieder der Expeditionsteams, die sorgfältig ausgewählt und jährlich geschult und zertifiziert werden, um sicherzustellen, dass alle Ausflüge, Anlandungen und Begegnungen mit Natur und Wildtieren gemäß den strengen Grundsätzen und Leitlinien erfolgen, die alle Branchenstandards übertreffen.)

Als weltweit führender Anbieter von umweltfreundlichen Expeditions-Seereisen hat Hurtigruten ein weiteres Branchen-Novum eingeführt: Der größte Anteil der bestehenden Schiffe sind bzw. werden von herkömmlichen Dieselmotoren auf Hybridantrieb umgerüstet – indem Flüssigerdgas (LNG), Biogas (LBG) und Batteriesysteme kombiniert werden.
Dieses riesige Nachhaltigkeitsprogramm ermöglicht die optimale Nutzung sauberer Akkus und den Einsatz von LNG, dem umweltfreundlichsten Kraftstoff, der derzeit für die Schifffahrt zur Verfügung steht. Allein durch den Einsatz effizienter LNG-Motoren werden die CO2-Emissionen dadurch im Vergleich zum Jahr 2015 um bis zu 25 Prozent reduziert. Die NOx-Emissionen werden sogar um stattliche 90 Prozent gesenkt.
Dies sind nur einige Punkte, die ich als verantwortlicher Reiseleiter auf „unseren Schiffsreisen“ gerade auch in sensible Öko-Systeme zusammen mit unserem norwegischen Partner anschiebe, um auf lange Sicht verantwortungsvoll das Thema Klimawandel insbesondere in der Reisebranche nachhaltig und sinnvoll anzugehen.

Jeder meiner Mitreisenden, nicht nur auf den Expeditionsfahrten in die polaren Breiten, hat schon tatkräftig selber mit angepackt, wenn es hieß, bei Anlandungen (Plastik-)Müll an den entsprechenden Stränden einzusammeln. Wer beispielsweise in Spitzbergen durch die Meeresströmung angespülte PET-Flaschen und weiteren Plastikmüll aus allen Teilen der Welt aufgesammelt und zur Entsorgung mit an Bord gebracht hat, der weiß, mit welchem globalen Problem wir in Sachen Verschmutzung der Meere (aber auch Klimawandel) zu kämpfen haben. Und genau diese Reiseteilnehmer überlegen sich nach Rückkehr im lokalen Bereich – beim Einkauf an der Kasse – was sie wirklich mit Umverpackung und Plastiktüte einkaufen wollen oder nicht.
Die bewundernswerte Schönheit unseres Planeten – insbesondere in den arktischen Regionen – ist ebenso bewahrens- und beschützenswert.
Ein anderes Beispiel: Im Jahr 2016 bin ich mit einer Reisegruppe auf Grönland „Im Land der Inuit“ mit MS Fram unterwegs gewesen. Unvergessen, mit den beeindruckendsten Erlebnissen, die ich bisher persönlich jemals erfahren habe. An der Kante zum Inlandeis zu stehen, ist mein bis dato größtes Reise-Erlebnis gewesen. Diese unfassbaren Mengen an Eis – einfach unvorstellbar! Darauf folgte dann die wissenschaftliche Einordnung an Bord: 2016 haben wir schon die wissenschaftlichen Prognosen aus dem Jahr 2012 für das Jahr 2030 erlebt, soviel Eis war bereits geschmolzen. Wir waren überwältigt von Eisbergen mit 60 bis 80 Metern Höhe! Die Lektorin an Bord relativierte dann unsere „Begeisterung“, denn sie hatte die Kolosse 1995 noch in einer vertikalen Ausdehnung von 300 Metern erlebt…

Dies und noch viele andere Aspekte mit Praxisbezug setzen wir jetzt schon in Sachen umweltverträglichem Reisen auf Schiffen um – ohne enge Fjorde mit Diesel von überdimensionierten Kreuzfahrtschiffen zu belasten. Insbesondere Norwegen, sowohl von Regierungsseite als auch aus vielen Firmenphilosophien heraus, ist einmal mehr Vorreiter und Vorbild. Und wir sind stolz darauf, als kleines, aber feines Familienunternehmen und Spezial-Reiseveranstalter in Deutschland – beheimatet am „Castroper Polarkreis“ – daran mitzuwirken zu dürfen. Ganz pragmatisch – mit praktischen Ansätzen. Wir möchten nur Fußabdrücke hinterlassen, zu denen wir guten Gewissens stehen können und möchten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, um somit positive Veränderungen zu schaffen.

Dazu zählt in Ergänzung zu den bereits genannten Aspekten außerdem:

  • Engagement für die Stärkung von lokalen Gemeinden durch gemeinsame Projekte und Handel
  • Unterstützung indigener Gemeinschaften, Wertschätzung von Kultur und Traditionen und enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden
  • Durch den Handel vor Ort werden Transportemissionen auf ein Minimum reduziert. Bei den mitreisenden Gästen werden so das Wissen und das Verständnis für lokale Lebensmittel, Bräuche und Kulturen gestärkt.
  • Beiträge zum Lebensunterhalt und Wohlergehen kleiner Küstengemeinden, z.B. durch den Handel vor Ort oder sofern möglich, die Einbindung örtlicher Anbieter für die Organisation von Ausflügen. Abfallvermeidung, um die Vermüllung der Meere zu stoppen und eigenverantwortliche Säuberungsaktionen beispielsweise an Strand-Abschnitten.
  • Respektvolle Erkundungen und Exkursionen, denn jede Auswirkung von z.B. Anlandungen sollte so gering wie möglich und von vorübergehender Natur sein. Es sollen keine sichtbaren oder bleibenden Anzeichen der Besuche zurückgelassen werden.
  • Die Beobachtung von wilden Tieren erfolgt aus der Ferne, um das natürliche Verhalten nicht zu beeinträchtigen und das Wohlergehen und den Lebensraum der Tiere zu respektieren.
  • Beteiligung und Förderung an Forschungsprojekten. Mitarbeit bei der Registrierung von Eisbären auf Spitzbergen und bei der Erfassung der Meerwassertemperatur entlang der norwegischen Küste. Überwachung von ausgelaufenem Öl und Beteiligung an der Antarktisforschung.
  • Bei Anschluss an das Landstromnetz reduzieren sich die Schiffsemissionen auf Null. Die gesamte Flotte entlang der norwegischen Küste wird bis 2021 mit dieser innovativen Technik nachgerüstet. Landstrom hat enorme positive Auswirkungen: Allein die neue Stromerzeugungsanlage im Hafen von Bergen wird die NOx-Emissionen um 2,5 Tonnen und die CO2-Emissionen pro Jahr um 150 Tonnen pro Schiff reduzieren.
  • Die Kombination aus Batteriesystemen und Landstrom wird die CO2-Emissionen um weitere 8 Prozent reduzieren.
  • Die Hurtigruten-Schiffe produzieren ihr eigenes Frischwasser mithilfe eigener Entsalzungs- und Reinigungstechnologie an Bord. Dabei wird die Wärme des Kühlwassers und der Abgassysteme der Schiffe genutzt, um die Warmwasserspeicher an Bord zu erwärmen. Stromersparnis, der dem Verbrauch von 6.700 Haushalten pro Jahr entspricht. Im Rahmen der Nachhaltigkeits- und Abfallprogramme hat man überdies eine neue automatische Technologie zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen eingeführt.
  • Verbot von Schweröl – zusammen mit führenden Umweltorganisationen, wie der Clean Arctic Alliance und der European Climate Foundation, führt Hurtigruten eine Kampagne an, um die Verwendung von HFO in arktischen Gewässern zu verbieten.

Lutz Stickeln, B.A. (Geograph, Skandinavist, Anglist)
Spezial-Reiseveranstalter für Nordeuropa und die polaren Regionen
Langjähriger Nordeuropa-Journalist (Chefredakteur eines Nordeuropa-Magazins, freier Autor für u.a. Süddeutsche Zeitung, Focus et al.)

Stand der aufgeführten Informationen: 11/2019

Castrop-Rauxel, 15.11.2019

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